Going for Growth 2012

OECD hat am 24. Februar im Rahmen des G20 Finanzministertreffens in Mexiko seine neue Going for Growth-Studie 2012 vorgestellt. Die Studie bildet einen zentralen Bestandteil der strukturpolitischen Überwachung durch die OECD und dient gleichzeitig als OECD-Beitrag zum gegenseitigen Bewertungsprozess (Mutual Assessment Process) der G20. Die diesjährige Ausgabe macht unter anderem eine Bestandsaufnahme über Reformfortschritte während der Krise zwischen 2007-2011 und analysiert die kurzfristige Wirkung von Strukturreformen. In zwei thematischen Sonderkapiteln werden zudem der Einfluss von Strukturreformen auf Wachstums- und Verteilungsfragen sowie Absicherungsmechanismen für makroökonomische Risiken untersucht.

Going for Growth basiert dabei auf einem seit 2005 bestehenden einheitlichen Analyserahmen für Strukturreformen für OECD Mitgliedsländer und seit 2011 auch für große Schwellenländer (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Russland, Südafrika). Danach werden anhand vergleichender Strukturindikatoren für jedes Land fünf Reformprioritäten zur Steigerung des langfristigen Realeinkommens identifiziert und die Reformfortschritte in diesen Bereichen regelmäßig beurteilt. Nach den Ergebnissen der diesjährigen Untersuchungen, hat die Krise für die Wirtschaftspolitik zwar viele neue Herausforderungen mit sich gebracht, sie hat jedoch auch die Notwendigkeit vieler in Going for Growth aufgeführter Prioritäten deutlicher hervorgehoben und in vielen Ländern als Katalysator für die Umsetzung von Strukturreformen gewirkt. Dabei haben die OECD Länder mit niedrigerem Einkommen, in denen der Reformbedarf im Allgemeinen größer ist, und die Länder, in denen der Anstieg der Arbeitslosigkeit während der Krise am stärksten war, größere Anstrengungen unternommen, um die Reformprioritäten anzugehen. Weitere Anstrengungen bleiben aber notwendig und sollten sich laut Going for Growth angesichts der Jobkrise in vielen Ländern auf Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung und Verbesserung der Funktionsweise des Arbeitsmarktes konzentrieren.

Die in den letzten Jahrzehnten in den meisten OECD Ländern festzustellende Zunahme des Einkommensgefälles hat darüber hinaus Befürchtungen hervorgerufen, dass Strukturreformen – und damit einige der in Going for Growth aufgeführten Prioritäten – die Einkommensungleichheiten vergrößern könnten. Diese Befürchtungen haben durch die Krise angesichts der Konsolidierungserfordernisse in fast allen OECD Ländern noch an Bedeutung gewonnen. Going for Growth untersucht deshalb diesmal auch gezielt Komplementaritäten und mögliche Zielkonflikte zwischen Maßnahmen zur Reduzierung der Ungleichheit und Maßnahmen zur Förderung des Wachstums. Demnach bringen viele Strukturreformen eine doppelte Dividende, da sie die Einkommensungleichheit verringern und gleichzeitig das langfristige Pro-Kopf-Wachstum erhöhen. Beispiele hierfür sind die Erhöhung der Effizienz und der Chancengerechtigkeit im Bildungswesen, die Verringerung der Zweiteilung des Arbeitsmarkts, die Förderung der Integration von Zuwanderern und die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung der Frauen. Bei anderen Reformen kann es jedoch zu Zielkonflikten zwischen Wachstum und Einkommensverteilung kommen.

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